Ökopunkte-Tabelle NRW: Biotopwerte nach LANUK-Arbeitsblatt 61
Wer in Nordrhein-Westfalen Eingriff und Kompensation bilanziert, arbeitet mit der Biotoptypenliste des LANUK. Diese Seite zeigt einen Auszug der Biotopwerte und erklärt, wie die Liste aufgebaut ist. Das Verfahren dahinter beschreibt die Eingriffsregelung nach § 17 BNatSchG.
Was ist die Ökopunkte-Tabelle in NRW?
Die maßgebliche Tabelle heißt „Biotoptypenliste mit Wertvorschlägen“ (Tabelle 1) und steht im LANUK-Arbeitsblatt 61 „Numerische Bewertung von Biotoptypen für die Eingriffsregelung in NRW“. Der Begriff „Ökopunkte“ wird dort nicht verwendet: Jeder Biotoptyp bekommt einen Biotopwert auf einer Skala von 0 bis 10.
Grundlage sind vier gleich gewichtete Kriterien: Natürlichkeit, Gefährdung/Seltenheit, Ersetzbarkeit/Wiederherstellbarkeit und Vollkommenheit. Der Gesamtwert ist der gerundete arithmetische Mittelwert. Für die Prognose des Zielbiotops bei der Kompensation legt das Arbeitsblatt einen Zeitraum von 30 Jahren zugrunde.
Biotopwerte NRW: Auszug aus der Tabelle
Die folgende Tabelle gibt ausgewählte Zeilen aus Tabelle 1 des Arbeitsblatts wieder. Sie ist bewusst nur ein Auszug: Die vollständige Liste umfasst Wälder, Gewässer, Moore, Gesteinsbiotope und viele weitere Biotoptypen, teils mit Auf- und Abschlägen.
Versiegelte und teilversiegelte Flächen
| Biotoptyp | Code | Biotopwert |
|---|---|---|
| Gebäude, Mauerwerk, Ruinen | HN | 0 |
| Versiegelte Plätze und Verkehrswege (Pflaster, Platten, Asphalt, Beton) | me1/me2 | 0 |
| Teilversiegelte Plätze und Verkehrswege (wassergebundene Decke, Schotter) | me3/mf1/mf6/mf7 | 1 |
| Solarmodul (überschirmte Fläche) | SE, sty1 | 1,5 |
| Unbefestigte Plätze und Verkehrswege auf nährstoffreichen Böden | me4/me6/me7/mf8, stb3 | 3 |
Straßenbegleitgrün und Hecken
| Biotoptyp | Code | Biotopwert |
|---|---|---|
| Rain, Straßenrand auf Bankette und Mittelstreifen | HC0, mr3 | 1 |
| Rain, Straßenrand, straßenbegleitend | HC0 | 2 |
| Schnitthecke (jährlicher Formschnitt), lebensraumtypische Gehölzanteile < 50 % | BD5 | 2 |
| Schnitthecke (jährlicher Formschnitt), lebensraumtypische Gehölzanteile > 50–70 % | BD5 | 3 |
| Schnitthecke (jährlicher Formschnitt), lebensraumtypische Gehölzanteile > 70 % | BD5 | 4 |
Acker und Ackerbrachen
| Biotoptyp | Code | Biotopwert |
|---|---|---|
| Acker, sehr intensiv, ohne Wildkräuter (z. B. unter Folie) | acs | 1 |
| Acker, intensiv, Anzahl Wildkräuter gering | aci | 2 |
| Einsaatbrache (mit Nutzpflanzen, z. B. Phacelia) | HB1, ed | 3 |
| Acker auf nährstoffreichen Böden, mäßig extensiv, Anzahl Wildkräuter hoch | acme | 4 |
| Ackerbrache auf nährstoffreichen Böden | stb3 | 4 |
| Sand-, Silikat- bzw. Kalkacker auf nährstoffarmen Böden, extensiv, Anzahl Wildkräuter sehr hoch | HA3, HA4, ace | 5 |
| Ackerbrache auf nährstoffarmen Sand- und flachgründigen Kalkböden | sta3 | 5 |
Grünland
| Biotoptyp | Code | Biotopwert |
|---|---|---|
| Feldgras, Neueinsaat (EA3); Fettweide, Neueinsaat (EB1) | EA3, EB1 | 2 |
| Fettwiese bzw. Fettweide, artenarm | EA, EB, xd2 | 3 |
| Fettwiese bzw. Fettweide, mäßig artenreich | xd5 | 4 |
Zum Vergleich: hochwertige Moore
| Biotoptyp | Code | Biotopwert |
|---|---|---|
| Hochmoore, Übergangsmoore, Torfstiche: mittel bis schlecht ausgeprägt | CA, CB, veg1 | 8 |
| Hochmoore, Übergangsmoore, Torfstiche: gut ausgeprägt | CA, CB, veg2 | 9 |
| Hochmoore, Übergangsmoore, Torfstiche: hervorragend ausgeprägt | CA, CB, veg3 | 10 |
Quelle: LANUK NRW, Arbeitsblatt 61, Tabelle 1, abgerufen am 29.10.2026. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung des Arbeitsblatts.
Wie ist die Liste zu lesen?
- Zusatzcodes wie aci, acme oder xd2 beschreiben die Ausprägung eines Biotoptyps. Der Code allein reicht für die Zuordnung nicht aus.
- Kennzeichnungen in der Originalliste: Biotoptypen mit Schutz nach § 30 BNatSchG / § 42 LNatSchG NRW, nicht ausgleichbare Biotoptypen und Biotoptypen mit langen Entwicklungszeiten (> 100 Jahre) sind dort markiert. Für sie ergibt sich laut Arbeitsblatt unter Umständen ein zusätzlicher Kompensationsbedarf.
- Ohne Wertvorschlag bleiben sehr heterogene, überwiegend anthropogene Biotoptypen wie Deiche, Kleingartenanlagen, Halden oder Steinbrüche. Sie werden im Einzelfall vor Ort mit den vier Kriterien bewertet.
- Abweichungen vom Wertvorschlag sind in Ausnahmefällen um bis zu zwei Wertstufen möglich und brauchen eine textliche Begründung.
Nicht mit anderen Bundesländern mischen
Jedes Verfahren hat eine eigene Skala. Der Biotopwertpunkte-Rechner dieser Website nutzt vereinfachte Werte des LUBW-Standards aus Baden-Württemberg und ist keine Umsetzung der NRW-Liste. Hintergründe zu Ökokonto und Ökopunkten allgemein finden Sie unter Ökokonto & Ökopunkte: Grundlagen und Buchführung.
Häufige Fragen zur Ökopunkte-Tabelle NRW
Was ist ein Ökopunkt in NRW?
Der Begriff Ökopunkte kommt im LANUK-Arbeitsblatt 61 nicht vor. Dort erhält jeder Biotoptyp einen Biotopwert auf einer Skala von 0 bis 10; in der Praxis wird dafür häufig „Ökopunkte“ oder „Wertpunkte“ gesagt.
Wie kommt der Biotopwert eines Biotoptyps zustande?
Das Arbeitsblatt bewertet vier gleich gewichtete Kriterien: Natürlichkeit, Gefährdung/Seltenheit, Ersetzbarkeit/Wiederherstellbarkeit und Vollkommenheit. Der Gesamtwert ist der gerundete arithmetische Mittelwert dieser vier Kriterien.
Darf vom Biotopwert in der Tabelle abgewichen werden?
Laut Arbeitsblatt ist das in Ausnahmefällen mit textlicher Begründung um bis zu zwei Wertstufen nach oben oder unten möglich, höchstens bis zum Minimal- bzw. Maximalwert des jeweiligen Biotoptyps. Für Wald, Acker, Säume und Gewässer nennt das Arbeitsblatt eigene Auf- und Abwertungshinweise.
Gelten die Biotopwerte aus Baden-Württemberg auch in NRW?
Nein. Das LUBW-Verfahren in Baden-Württemberg arbeitet mit einer anderen Wertskala (bis 64) als die NRW-Liste (0 bis 10). Werte aus beiden Verfahren lassen sich deshalb nicht übertragen oder mischen.